Reisebericht Transalp 2026

Im Folgenden habe ich einige Impressionen der diesjährigen Alpenüberquerung für euch zusammengestellt:

Strecke

Für all Jene, die es genau wissen wollen, hier die Links zum genauen Streckenverlauf auf Komoot:

Die Strecke war ein Mix aus Forststraßen, Asphaltpässen, Singletrails, Downhill Trails und Wanderwegen, die meistens aufwärts bezwungen wurden.
In Erinnerung bleiben uns sicher folgende Abschnitte:

  • Der Bunkertrail, von den Panzersperren hinab zum Reschenpass, für den unsere Bikes einfach zuwenig downhilltauglich waren. 
  • Der schier unendlich lange Goldseetrail, der eigentlich ein Wanderweg zum Stilfserjoch hoch ist und wir deswegen fast 3 Stunden tragen und schieben durften. Viele Wanderer die uns von oben entgegenkamen, schüttelten den Kopf oder begrüßten uns mit den Worten: „An Ihrer Stelle würde ich wieder umdrehen“ oder mit den Worten „Macht man das nicht normal umgekehrt?“
  • Die 22km lange Passstraße vom Stilfserjoch runter nach Bormio. 22km laufen lassen bleibt einfach in Erinnerung.
  • Der nette Gavia Pass rauf auf 2600 Meter und dann wieder runter, der teilweise nur einspurig und demnach so schmal wie ein Radweg ist. Das ist nichts für ungeübte Autofahrer, so wie zum Beispiel der betagte Pensionist vor uns …
  • Der wunderschöne Trail von Madonna zum Wasserfall, der sich über ein paar Kilometer sehr flowig durch den bewaldeten Hang schwingt.
  • Die letzte Abfahrt nach Riva, bei der man 600 Höhenmeter in kürzester Zeit auf betonierten Wegen jenseits von 30% Gefälle abwärts glüht – die Bremsen lassen grüßen!

Bildergalerie von der Strecke:

Material

Mein Respekt gilt Richi und Manfred, denn die fahren mit Hardtails – alle anderen gönnen sich den Komfort einer Dämpfung am Hinterrad, was bei den gefahrenen Strecken als großer Vorteil gilt. Absenkbare Sattelstützen haben mittlerweile alle, auch das ist bergab bequemer und vor allem sicherer.

Auf so einer 5 Tages Reise wird nicht nur Mann sondern auch Material unheimlich gefordert. Die Schuhe von Hansi gingen schon am zweiten Tag vorne auf und ließen die Zehen belüften, konnten aber mit Panzertape vom italienischen Baumarkt noch nach Riva gerettet werden. Auch die Schuhe von Gernot mussten mit diesem Tape notdürftig am Leben gehalten werden. Am Ziel konnten sich die beiden dann bei einem Mistkübel von ihrem Schuhwerk entledigen.

3 mal musste ein Fahrradschlauch gewechselt werden, wobei es diesmal immer Bernhard traf. 2 mal ein unerklärlicher Luftverlust und einmal ein Schlangenbiss (Schlangenbiss nennt man eine Lochbildung durch eine stoßartige Quetschung des Schlauches durch die Felge – meist verursacht durch eine scharfe Kante, die ruckartig überfahren wird). Man muss hier erwähnen, dass es bei unseren 5 Alpenüberquerungen noch nie eine Panne bei schlauchlosen Reifen gab – Fazit: Schlauchlos ist wirklich pannensicher.

Bildergalerie vom Material:

Wetter

Das Wetter war diesmal eher durchwachsen. Regen hatten wir an Tag eins, zwei und am Tag vier, wobei wir durch geschicktes Timing fast immer trocken blieben. An dieser Stelle muss ich mal die Technik in den Himmel loben, denn das online Wetterradar hat uns tatsächlich zwei mal den (trockenen) Arsch gerettet. Auf 2500 Meter Höhe ohne Schutz auf einem schmalen Trail kann es richtig ungemütlich werden. Aber wie gesagt, durch die Satellitenbildern konnten wir auf 10 Minuten genau sagen wie lange das Gewitter dauert und mit dieser Genauigkeit entweder noch ein Seidl oder großes Bier auf der Hütte bestellen. Lediglich an Tag 4 wurden wir bei der Abfahrt vom Passo Tonale von oben und von unten nass. Doch wie man es von den Bergen kennt – so schnell wie ein Schauer da ist, ist er auch schon wieder weg und so genossen wir großteils schönes Wetter mit grandiosen Bergkulissen.

Bildergalerie vom Wetter

Einkehrschwünge und Quartiere

Das ist ein Punkt, der niemals vernachlässigt werden darf, denn sonst könnte es sein, dass keiner mehr mitfährt. Darum plane ich eine Tagesstrecke immer so, dass genügend Zeit und auch die Möglichkeit für Einkehrschwünge vorhanden ist. Das bedeutet Vormittag, Mittag und am Nachmittag gibt es eine Stärkung welche die vorigen Strapazen vergessen lässt. Auch die Quartiere sind alle sorgfältig ausgewählt und im Vorhinein gebucht – Booking.com ist hier Gold wert. Bei den Abenddisziplinen sind vor allem unsere vier Ü-60iger stark und lassen den einen oder anderen von den Jüngeren hinter sich – Respekt. Auf alle Fälle geht es auch abends bei uns immer lustig zu und so kann es schon mal vorkommen, dass uns ein Aufziehauto aus dem Automatenkran bestens unterhält. Im Nu wurde damit ein Spiel entwickelt, um sich die nächste Rund Aperol auszuspielen. Genau an dieser Stelle möchte ich euch auch das Wort der Transalp 2026 vorstellen: „Wiederbeschaffungszeit“ – kreiert von Hansi. Das ist jene Zeit, die man im Vorhinein bestellen muss, damit man keine trockenen Momente erlebt. Diese Zeit hängt natürlich stark von den örtlichen Begebenheiten ab. Hier merkt man einfach, dass Hansi, beruflich bedingt viel Ahnung von Logistik hat.

Bildergalerie von Einkehrschwüngen und Quartieren

Ziel und Fazit

Für mich als Guide ist es das Schönste, wenn wir dann nach den 5 Tagen alle unverletzt in Riva ankommen. Das ist dann echt Gänsehautfeeling, bei dem auch eine gewisse Last von mir abfällt. Auf so einer Tour kommt jeder mal an seine Grenzen, bzw. denkt sich „Warum tu ich mir das überhaupt an?!?“, doch was bleibt sind die schönen Momente und die vielen Eindrücke, die man auch auf Fotos oder Videos nicht vermitteln kann. Das sind die Erinnerungen die man niemals vergisst. Was ich euch als Leser dieser Zeilen mitgeben möchte: macht Abenteuer bzw. Urlaube dieser Art, ob wandern von Hütte zu Hütte oder auch unterwegs mit dem E-Bike. Man braucht nicht mehr als einen Rucksack und ein Ziel, um unvergessliche Momente zu erleben.

Zum Schluss möchte ich noch großen Respekt an Charly und Hansi aussprechen, die vom E-Bike zu den Biobikern umgestiegen sind und das alles mitgemacht haben. Danke auch an Bernhard für das Fahren nach Nauders und zurück und die Möglichkeit des 9-Sitzers. Danke an meine 7 Mitstreiter, denn niemals gab es ein Sudern oder negative Vibes, und das bei allem was ist euch abverlangt habe.

Bildergalerie vom Ziel und den Gruppenfotos

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