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Lasst die Spieler spielen (Juni 10)

Bericht aus der Newsarena vom 8. Juni 2010

In dieser Woche geht es bei zahlreichen Vereinen um Alles. In vielen Klassen wird der Auf- bzw. Abstiegskampf entschieden und dabei fällt dem Publikum eine entscheidende Rolle zu. So lässt das Missfallen der Zuschauer und Fans Lust und Leistung auf dem Spielfeld sinken. Deshalb bin ich der Meinung: Lasst die Spieler einfach spielen.

Es gibt wohl niemanden, der auf einem Fußballplatz noch nie das Gefühl gehabt hat, bei seiner Mannschaft sei einfach nichts in Ordnung. Die Spieler stehen auf dem falschen Platz, Kampfgeist ist ein Fremdwort, die Mannschaft schleicht dahin, als trüge sie einen Sarg zum Grab. Dementsprechend ist die Stimmung - wie bei einem Begräbnis. Nichts stimmt an diesem Tag. Man möchte mit der Faust gewaltig auf den Tisch schlagen und dem Spuk damit ein Ende bereiten. Das darf doch nicht wahr sein, was hier geboten wird!

In diesem Augenblick wird aus dem Zuschauer ein Feldherr, der weiß, wie man die Burschen auf Trab bringt. Mit Donnerstimme brüllt er seine Anweisungen aufs Spielfeld. Der Feldherr greift in die Speichen des Rades, das sich nicht so recht drehen will. Der Zuschauer fühlt sich in der Rolle des Trainers und verhält sich so, wie er meint, dass sich Trainer verhalten, wenn sie ihre Autorität beweisen wollen: Er brüllt, brüllt und brüllt!

Redet man mit Spielern in einer ruhigen Minute, dann sagen sie, es ließe sie kalt, was auf den Zuschauerrängen geschrien wird. Ließe es sie nicht kalt, so müssten sie auf der Stelle einen Schädel wie ein Bienenhaus bekommen. Aber da fällt mir ein Widerspruch auf: Denn die Fußballer sagen, es treibt sie zu starken Leistungen, wenn der Beifall von den Rängen rauscht. Gegen die Misstöne hingegen wollen sie imstande sein, sich abzukapseln? Sie leugnen jede Wirkung - das dürfte Selbsttäuschung sein. Das Missfallen des Publikums lässt Lust und Laune auf dem Spielfeld sinken. Das Missfallen kann aus einem Leichenzug kein Karnevalstreiben machen.

Deshalb lasst die Spieler spielen. Ja, feuert sie an, aber spielt nicht den Feldherrn. Man kennt schon den Einwand: Wenn lahm gespielt wird, könne man selbstverständlich nicht in Begeisterung ausbrechen. Gut, niemand verlangt Applaus, wenn wirklich schlecht gespielt wird. Aber statt des Brüllens könnte es auch ein leises Gähnen sein, oder ein unterdrücktes Seufzen.

Lasst sie spielen - das hat sehr oft auch für den Trainer Geltung. Hat der Trainer nicht die Pflicht einzugreifen, wenn er sieht, wie seine Spieler alles vergessen haben, was er ihnen vor dem Match gesagt hat, wie alles zerrinnt, was er als taktisches Konzept ausgebreitet hat? Aus Erfahrung weiß man, dass Fußballer nur 20 Prozent von dem behalten, was ihnen vor dem Spiel eingetrichtert worden ist. Im Getümmel des Wettkampfes ist bald das meiste weggewischt, was vorher geschworen wurde. Nur so ist das bekannte Bild des Trainers zu erklären, der in höchster Aufregung an der Seitenlinie zappelt und seine Anweisungen lautstark diktiert. Freilich wird es den aufgeregten Trainer immer nur dann geben, wenn die Sache schief läuft. Ebenso oft kommt es vor, dass die Traineranweisungen zwar missachtet werden, die Sache aber dennoch gut läuft. Der Trainer schweigt, denn natürlich fällt es ihm nicht ein, die Fäuste zu ballen. Er tut vielmehr so, als sei der Erfolg seinem taktischen Geschick zuzuschreiben.

Ich denke mir dann immer, lass die Spieler spielen, nimm ihnen nicht die Freude am Spiel, verdirb ihnen nicht den Spaß. Denn Fußball muss Spaß machen, auch wenn manchmal so getan wird, als sei Fußball genauso wichtig, wie die Luft für unsere Lungen.

Noch etwas darf man nicht übersehen: Fußball ist nicht allein Sport, ist auch nicht allein Geschäft - Fußball ist Show. Lasst die Spieler spielen. Sie verstehen ihren Sport, ihr Geschäft und ihre Show. Wir werden das bei der Weltmeisterschaft in Kürze erleben. Kluge Trainer wissen das, weshalb sollten das nicht auch die Zuschauer begreifen?

 
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